Merchemer Brogge führen Regiment


Unter der Direktion von Ralf Kallab führte der Musikverein Merchingen mit schmetternden Trompeten, dröhnenden Trommeln, brummendem Bass und viel "Merchemer Brogge ahoi!" am schmutzigen Dunnschtig den Sturm der Narren auf das Ravensteiner Rathaus an, um die Regierung und die Stadtkasse zu übernehmen.

 

Das närrische Volk folgte unter dem unerbittlichen Kommando von Präsident Andreas Lohse und Sitzungspräsident Manfred Breuer dicht gedrängt nach. Ohne nennenswerte Verluste wurde das Rathaus besetzt, denn seine Besatzung wurde im üblichen Tiefschlaf überrascht.

Da sich der tapfere Schulz rechtzeitig ins neutrale Ausland abgesetzt hatte, musste Bürgermeisterstellvertreter Gerhard Möhler die Stadtschlüssel, die leere Stadtkasse und den dafür prall gefüllten Stadtsäckel übergeben, was er mit Freuden tat, um gleich darauf eine Sammelbüchse herumzureichen. Ohne Erfolg, die Büchse war bodenlos.

 

Als triumphierender Sieger ergriff Präsident Andreas Lohse das Wort und ließ es nicht mehr los. Aus lauter Verzweiflung hatte er sogar gereimt. Er erzählte viel und noch mehr und stützte sich auf die alte Weisheit: "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert." Sein klügster Satz: "Bekomm' den Schnaps wir vors Gesicht, dann wird er auf der Stell vernicht'". Reim dich oder ich fress dich. Langsam ließ die Wut der Sieger nach. Sie wurden mit wenig Speis und viel Trank ruhig gestellt.

Völlig überraschend kehrte auch der Schultes in unscheinbarem Zivil in seinen Bau zurück mit einem kleinen Ortsvorsteher im Schlepptau. Trotz Feigheit vor dem Feind wurde ihm verziehen.

Er sang nicht - hört, hört! Oder besser - hört nicht. Als Speis und Trank zu Ende gingen, trollten sich etwas spät Sieger und Besiegte einträchtig nach Hause. cb


 

Quelle: Fränkische Nachrichten, Samstag, 05.03.2011

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